Unser Forum

Chronik des VERKEHRSFORUMS FFB

1991:
Im Frühjahr 1991 ereignete sich auf der Augsburger Straße in FFB ein Unfall, bei dem ein Schüler von einem Kleinbus überfahren wurde und ums Leben kam. Spontan entstand in Folge eine Bürgerinitiative besorgter Eltern, die IVV (Initiative für Verkehrssicherheit durch Verkehrsberuhigung) wurde gegründet.

1992:
Das VERKEHRSFORUM FFB ist am 25. März 1992 aus dieser Bürgerinitiative hervorgegangen. Die Stadtpolitik war schon damals bestimmt vom Parteienstreit pro und contra Umgehungsstraße (B2). Alle Energie der Stadträte floss in den Versuch, die Probleme des motorisierten Verkehrs zu lösen. Es herrschte die allgemeine Ansicht vor, erst müsse eine Umgehungsstraße für den motorisierten Verkehr gebaut werden, dann hätte man Platz für Radfahrer und auch Busse. Für Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer, wie Fußgänger und Radfahrer, und für die Attraktivitätssteigerung des ÖPNV (Öffentlichen Personen-Nahverkehr) hatte die Mehrzahl der Stadträte wenig Gehör.

Ziele des VERKEHRSFORUMS FFB waren deshalb, die Verbesserung der Verkehrssicherheit vor allem der schwächsten Verkehrsteilnehmer und die Attraktivitätssteigerung der umweltfreundlichen Verkehrsmittel, des sog. Umweltverbundes, aus Fußgängern, Fahrrädern und Bussen. Dafür steht unser Logo FFB !


 

In der Anfangszeit war es gelungen, nicht nur Umwelt- und Verkehrsverbände wie BUND Naturschutz, ADFC, VCD und Pro Bahn an einen Tisch zu bringen, sondern auch Vertreter aller politischen Fraktionen und eine stattliche Anzahl von engagierten Bürgern. Es wurde nach konsensfähigen Lösungen zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger gesucht. Das sofort Machbare stand im Vordergrund. Alle Energie sollte darauf gebündelt werden. Mit einer großen Rückbau-Aktion auf der Hauptstraße machte das VERKEHRSFORUM FFB 1992 auf sich aufmerksam: An einem Samstag wurde die mit Parkspuren z. T. 6-spurige Hauptstraße provisorisch auf zwei Spuren zurückgebaut. Mit tausenden von grünen Luftballons wurde eine Allee realitätsnah aufgestellt. Die zurück gewonnenen Verkehrsflächen wurden von der anliegenden Gastronomie möbliert und bewirtet. Info-Stände und ein kabarettistisches Programm ergänzten das Angebot. Ein umweltfreundlicher Elektrobus stand zur kostenlosen Rundfahrt bereit. 

Nach weiteren Aktionen, Diskussionsveranstaltungen, viel Öffentlichkeitsarbeit und zahlreichen Gesprächen auf politischer Ebene wurden vom VERKEHRSFORUM FFB in mehreren Arbeitskreisen (AK City-Bus, AK fahrradfreundliche Stadt, AK Innenstadtgestaltung, AK Öffentlichkeitsarbeit) detaillierte Verkehrskonzepte erarbeitet. Die Konzepte wurden mittels Pressekonferenzen im Rathaus vorgestellt, bzw. auf Bürgerversammlungen z. T. einstimmig angenommen. Trotzdem stießen unsere Forderungen nicht immer auf Gegenliebe. Für Stadträte und Stadtverwaltung war es suspekt, dass sich Bürger derart außerparlamentarisch engagierten. Statt Zusammenarbeit entstand eher eine gewisse Konkurrenz um die besseren Konzepte. Einmischung war zudem nicht überall erwünscht. Nach kurzfristigen Anfangserfolgen blieben weitere aus, und ließen viele engagierte Bürger frustriert weglaufen. Zudem mussten zahlreiche Engagierte (z. B. Architekten) mit beruflichen Nachteilen rechnen, wenn sie sich weiterhin kritisch mit der Stadtpolitik auseinandersetzten!!! Ein schwerer Verlust für die Stadt, wie wir meinen!

1993-1999:
In den Folgejahren wurde die Arbeit des VERKEHRSFORUMS FFB vor allem durch die Hartnäckigkeit des langjährigen Ortsvorsitzenden des BUND Naturschutz und Sprecher des VERKEHRSFORUMS FFB Thomas Brückner aufrechterhalten. Unermüdlich wurden immer wieder verkehrliche Miss-Stände aufgezeigt, und die in den Verkehrskonzepten formulierten Verbesserungen eingefordert. Als Vorsitzender des Arbeitskreises Verkehr der Lokalen Agenda 21 beeinflusste Herr Brückner auch maßgeblich die 1999 formulierten verkehrspolitischen Leitlinien der Agenda 21 in der Stadt und auch im Landkreis. Die Leitlinien wurden gleich lautend in das „Bessere Verkehrskonzept“ des VERKEHRSFORUMS FFB übernommen, und fanden auch in das „Stadtleitbild“ der Stadt Fürstenfeldbruck in abgeschwächter Form Einzug. 

2001-2021:
Außerordentlich gut entwickelte sich damals die Zusammenarbeit des VERKEHRSFORUMS FFB mit dem Landratsamt. Mit unseren zusammen mit dem ADFC ausgearbeiteten Vorschlägen zu Fernradwegen wie dem 2001 realisierten Ammer-Amper-Radweg und dem Rad- und Freizeitwegenetz im Landkreis konnten wir große Erfolge einfahren, die 2021 mit der Wegweisung des Radverkehrsnetzes im gesamten Landkreis gipfelte. Ein neuer Fernradweg, der München-Augsburg-Radweg, wurde aufgrund unserer Initiative etabliert. Weitere Verbesserungen wie die Radschnellverbindung München-FFB sind geplant.

2009:
Das VERKEHRSFORUM FFB wird sich auch in Zukunft weiter für die Verwirklichung seiner Ziele und die des Stadtleitbildes einsetzen, und Missstände und Fehlentwicklungen aufzeigen. Die aktive Mitarbeit von Bürgern ist dabei stets willkommen. Das Hauptaugenmerk lag dabei viele Jahre auf der Bewahrung des Stadtparkes am Marthabräuweiher. Diese wundervolle innerstädtische Oase mit ihrem mächtigen alten Baumbestand sollte durch die Verlagerung der B2 aus der Hauptstraße mit der sog. „Deichensteg-Trasse“ zerschnitten und zerstört werden, obwohl diese Trasse in einem von der CSU/FW-Mehrheit angestrebten Ratsbegehren 2009 mit deutlicher Mehrheit abgelehnt wurde. Das VERKEHRSFORUM FFB organisierte deshalb fast jedes Jahr ein Bürgerfest im Stadtpark, das sog. „Deichensteg-Monsterfest“. Petitionen an den Bundes- und Landtag und gerichtliche Klagen gegen diese Zerstörung wurden erwogen, sollte dieses stadtzerstörerische Projekt wieder aufleben.

2011:
Als Anerkennung für sein unermüdliches Engagement erhielt Thomas Brückner am 2.2.2011 von der Unabhängigen Bürgervereinigung (UBV) im Landkreis in einer Feierstunde die Lichtmesskerze 2011 verliehen. Wir hoffen, dass durch diese Anerkennung der Arbeit des VERKEHRSFORUM FFB noch mehr Gewicht in der politischen Landschaft zuteilwird. 

2017:
In diesem Jahr veranstalteten wir die 25-Jahr-Feier des VERKEHRSFORUMS FFB. Bis dahin hatten wir mehr als 160 Einzelmaßnahmen initiiert und an der Umsetzung mitgewirkt. Die Arbeit unter bis dahin 18 Jahren CSU-Regierung war schwierig. Mehr Erfolge gab es unter der kurzen Amtszeit von OB Klaus Pleil. Hier konnten auf einen Schlag u.a. 10 neue Tempo 30 Zonen und weitere Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Erschließungsstraßen umgesetzt werden.

2021:
Ende 2021 wurde der in mehreren Jahren erarbeitete Verkehrsentwicklungsplan (VEP) der Stadt beschlossen. Dem Sprecher des VERKEHRSFORUMS FFB Thomas Brückner, inzwischen für Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat, und anderen Mitstreitern wie dem ADFC und dem VCD FFB ist es gelungen, wesentliche Ziele des VERKEHRSFORUMS in Bezug auf die Stärkung des Umweltverbunds, der Verkehrssicherheit und Verkehrsberuhigung einzubringen. Der VEP ist eine gute Basis für die weitere politische Arbeit der nächsten Jahrzehnte. 

Keinen Erfolg hatten wir jedoch mit unserem Einbahnstraßen-Konzept in der Brucker Innenstadt. Lediglich der verkehrsberuhigte Rückbau der Geschäftsstraßen wurde als Ziel übernommen. Bedauerlicherweise ist seit 2023 auch noch die Stelle des/der Radverkehrsbeauftragten vakant. Die Umsetzung von Radverkehrsmaßnahmen geht deshalb nur zäh voran.

2022:
Durch das vorbildliche Engagement des ÖPNV-Experten Hr. Seifert im Landratsamt FFB wurde aber das Busnetz im Landkreis zum bundesweit vorbildlichen Nahverkehrs-System entwickelt, und 2022 durch die „Allianz pro Schiene“ (zweitbestes Ergebnis bundesweit, bestes Ergebnis in Bayern) ausgezeichnet und dem Landkreis der Fahrgastpreis 2022 durch den Fahrgastverband „Pro Bahn“ verliehen. Die Stadt FFB profitiert wie keine andere Kommune vom sternförmigen Zusammenlaufen der Landkreis-Buslinien in der Stadt.
 
Leider warten wir seit mehr als 30 Jahre auf den 4-gleisigen Ausbau der S4-Strecke von Pasing nach FFB. Mit einer Petition des VERKEHRSFORUMS FFB für wirklich barrierefreie S-Bahn-Außenbahnsteige hatten wir zumindest 2022 Erfolg. Der Verkehrsausschuss im Bayr. Landtag hat die Petition zweimal einstimmig beschlossen. Da das Bundesverkehrsministerium und die DB die S-Bahn-Gleise und -Bahnsteige mittig anlegen wollen, wurden Anfang 2025 Planungsaufträge für 43 Mio. Euro für beide Varianten beschlossen. Wir bleiben weiter dran am Thema!

01.09.2025 Thomas Brückner